WIE GUT IST DOMINIC’S AUFSCHLAG?

Darüber wird auch viel diskutiert. Manche  glauben, es hat keinen Sinn, den ersten immer mit 120-140 mph zu schlagen, wenn die Trefferquote relativ niedrig ist (50-60%, manchmal auch weniger.)

Warum also kein Kick-Serve, wenn der erste flache zu often ins Aus geht?

Der Kick-Serve ist ziemlich sicher und man erreicht leicht hohe Trefferquoten. Aber dann startet man den Punkt als ob man gar nicht aufgeschlagen hätte. Keine Asse, keine Winner, keine freien Punkte.

Dominic ist seit frühen Jahren so gelernt (siehe “Dominic-Thiem-Methode”) und das hat einen guten Grund.

Dann ist der zweite Aufschlag der Schwerpunkt. Und die Philosophie ist eine solche. Mit dem ersten versucht man immer einen direkten Punkt zu gewinnen oder aber Serve&Volley spielen zu können, oder vor dem zweiten Schlag im Spiel schon eine gute Position zum Angriff zu erreichen.

Es sei denn, man heißt Karlovic, Isner, Raonic oder Cilic. Für sie ist der Aufschlag viel wichtiger als für alle andere, denn sie haben kaum andere gefährliche Waffen. Sie müssen jedes Spiel mit dem Aufschlag durchsetzen: entweder Ass oder Doppelfehler.

Nun Dominic heißt aber THIEM :). Da muss er den Aufschlag anders nutzen.

Wenn man die Statistiken beobachtet, sieht man schnell, dass auch solche Größen, wie Federer, keine hohe 1.-Aufschlag-Quoten haben aber irgendwie die Matches gewinnen.

Dominic’s zweiter Aufschlag ist gut genug (da hat er meistens bessere Treffer-Quoten und Punktsieg-Quoten), um sich mehr Risiko beim ersten erlauben zu können.  Was zählt am Ende ist die Anzahl der gewonnenen Punkte. Hat man eine niedrige 1.-Aufschlag-Quote aber schießt relative viele Asse und Winner, ist das schon gut belohnt. Nach einem 1.-Aufschlag-Fehler muss man sich auf einen längeren Ballwechsel vorbereiten und das ist doch keine Schwäche bei Dominic.

Ein Aufschlag mit 130 mph ist kaum retournierbar, auch wenn er nicht ideal platziert ist.  Deshalb hat es Sinn den ersten so zu schlagen, dass die Chance für einen Ass oder Winner hoch ist. Auch mit niedriger Trefferquote  und relative vielen Doppelfehlern.  Es ist manchmal sogar besser einen Punkt (möglichst kein Spiel-, Satz- oder Matchball 😉 ) durch Doppelfehler zu verlieren aber beim schnellen 1. Aufschlag zu bleiben, als nach jedem Aufschlag die Mühe zu haben, den Punkt zu verteidigen, denn der Ballwechsel nach einem langsamen Aufschlag gibt einerseits die Chance dem Gegner, Rückschlag-Winner zu spielen oder sich aus der theoretisch nachteiligen Situation zu befreien und einen Ballwechsel aus gleich guten Position zu führen, wie der Aufschläger. Was wäre dann der Vorteil des eigenen Aufschlags?

Schneller 1. Aufschlag und hohe Trefferquote ist natürlich besser, wenn man aber keine 2,10 m groß ist, muss man wählen. Entweder ein sicherer aber nicht gefährlicher Aufschlag und dann Verteidigung anstelle von Angriff. Oder man riskiert mehr beim ersten und gewinnt 10+ Punkte in jedem Satz dank dem Aufschlag. Zehn Punkte sind ja fast drei zu Null gewonnene Spiele. Macht ja zusätzlich etwas Druck auf den Gegner. Das ist besonders wichtig auf harten Belägen, wo die Ballwechsel nicht so lange sind wie auf roter Asche.

Alles kann man verbessern und das tut Dominic auch mit dem Aufschlag.

Also keine Sorge. In wenigen Jahren serviert Dominic so gut wie Federer, aber schneller.  Nicht gut genug?

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One Reply to “WIE GUT IST DOMINIC’S AUFSCHLAG?”

  1. Ich kommentiere meinen eigenen Artikel, um etwas zum Nachdenken hinzufügen.
    Craig O’Shannessy hat gerade seine Aufschlag-Analyse für ATP Finals veröffentlicht.
    Ist hier ganz zu lesen (auf Englisch): http://www.atpworldtour.com/en/news/infosys-nitto-atp-finals-2017-serving
    —————————————————————————-
    Gewonnene Punkte beim ersten Aufschlag (%)
    1. Dominic Thiem 81%
    2. Roger Federer 80%
    3. Grigor Dimitrov 75%
    4. Marin Cilic 73%
    5. David Goffin 73%
    6. Alexander Zverev 73%
    7. Jack Sock 69%
    8. Rafael Nadal 65%
    9. Pablo Carreno Busta 56%
    ——————————
    Die Analyse endet mit dem Schluss, dass die Gewinner der Matches öfter Weit aus als in die Mitte beim ersten Aufschlag gespielt haben. Dominic war Leader beim Punktgewinnen vom ersten Aufschlag, hat aber nur ein Match gewonnen.
    O’Shanessy geht oft zu weit mit seinen Schlussfolgerungen, so sieht es aus bei einer reiner statistischen Analyse.
    Ich poste diese Information nur für den richtigen Kontext für diejenigen, die denken, Dominic’s Aufschlag sei nicht zu gut. Aber, wenn nur 50% des ersten Aufschlags im Feld landen aber man gewinnt dabei 81% der Punkte, es ist meines Erachtens ein guter Beweis, dass Dominic’s erster Aufschlag gerade das bringt, was man von ihm erwartet. Die Gründe für Dominic’s Niederlagen in London hatten nichts mit dem Aufschlag gemeinsam.

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